Nach einem Jahr: Taxifahrer wollen Rufsäule am Bahnhof reparieren
Die Rufsäule am Gautinger Taxistand ist seit einem Jahr nicht mehr erreichbar. Doch nun wollen die Taxiunternehmer sie wieder aktivieren.
Gauting – Wenn früher ein Bürger mit dem Taxi irgendwo hingebracht werden wollte, rief er von seinem Festnetztelefon die Rufsäule am Taxistand an. Das ist heute anders. Viele haben die Handynummer des jeweiligen Fahrers, und wer im Internet sucht, findet die Kontakte schnell. Dennoch gibt es immer noch Leute, die auf die hergebrachte Weise ihr Taxi ordern wollen, vor allem Senioren, etwa für Arztbesuche. Sie stört es, dass die Rufsäule am Bahnhofsplatz seit September vergangenen Jahres nicht mehr funktioniert. „Der Anschluss ist tot“, bestätigt Erhard Sagunsky, der seit 16 Jahren am Bahnhof steht und dort auf Aufträge wartet. Wer heute die (089) 8501034 anruft, bekommt die Ansage zu hören: „Kein Anschluss unter dieser Nummer.“
Wie es dazu kam, dass der Apparat (ein altes, grünes Tastentelefon am Eck Bahnhofsplatz/Rafael-Katz-Straße) nicht mehr funktioniert, ist nicht ganz klar. Lag ein technischer Defekt vor, der nur mit sehr viel Geld zu beheben gewesen wäre? Wurde es abgemeldet? Darüber gehen die Schilderungen auseinander. Fest steht: Glücklich ist mit dem toten Telefon niemand. „Das hat uns früher immer den einen oder anderen Auftrag beschert“, erklärt Michael Kilian, der seit einem Vierteljahrhundert die Gautinger durch die Gegend fährt.
Auch der Seniorenbeirat hat sich der Problematik angenommen. „Die Senioren klagen schon lange über die Nicht-Erreichbarkeit der Taxis“, erklärt Vorsitzender Sevin Ulukut. Dies war mit ein Grund, warum der Beirat die Mitfahrerbänke initiiert hat: Sie sollten kurzfristige Fahrten ermöglichen. Außerdem hat „Gauting hilft“ eine Mobilitätshilfe mit ehrenamtlichen Fahrern eingerichtet. „Hier müssen geplante Fahrten zum Arzt, zur Physiotherapie oder ins Rathaus, eine Woche vorher angemeldet werden“, so Ulukut. Dennoch vermisst der Beirat das Festnetztelefon am Bahnhof. Das Thema wird uns auch in dieser Amtsperiode beschäftigen“, so der neue Vorsitzende.
Von den Behörden ist nicht viel Hilfe zu erwarten. Das Landratsamt verweist darauf, dass es lediglich für die Konzessionen zuständig ist. Die Gemeinde erklärt: „Es handelt sich seit jeher um einen privaten Telefonanschluss, der vor vielen Jahren in Absprache mit der Gemeinde und im Einvernehmen mit anderen ansässigen Taxiunternehmen von einem Einzelunternehmer aus Gauting eingerichtet wurde“, so Pressesprecherin Charlotte Jans. Die Rufsäule stehe zwar auf gemeindeeigener Flur, ansonsten habe das Rathaus mit der Sache nichts zu tun.
Nun aber hat Taxiunternehmer Ralf Büscher die Initiative ergriffen. Er hat mit seinem großräumigen London-Taxi von sich reden gemacht und will nun gemeinsam mit seinen Kollegen die stillgelegte Rufsäule reaktivieren. Aktuell ist er noch im Urlaub, aber er hat nach seiner Rückkehr einen Termin mit der Telekom. „Wir brauchen den Festnetzanschluss in einem funktionsfähigen Zustand, und das kriegen wir auch hin“, sagt er. Er hofft, dass sich die Kosten in Grenzen halten und das Ganze spätestens bis Ende des Jahres umsetzen lässt. Ihm ist es wichtig, dass es sich um eine gemeinsame Anstrengung aller Gautinger Taxifahrer handelt. Kleiner Wermutstropfen: Die alte Nummer ist von der Bundesnetzagentur gesperrt worden, die Gautinger Unternehmer werden eine neue beantragen müssen.
Die Gemeinde, mit der Büscher bereits Gespräche geführt hat, wäre froh darum. Gut fände man es im Rathaus auch, dass Anrufe von potenziellen Kunden automatisch auf die Mobilfunknummern von Taxifahrern umgeleitet werden, wenn der Gautinger Bahnhof gerade nicht besetzt ist. In der Vergangenheit gab es nämlich die eine oder andere Beschwerde, dass das Telefon nachts lange klingelte, aber kein Taxifahrer vor Ort war, um den Anruf entgegenzunehmen.
Quelle: Starnberger Merkur
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