Viele Tipps vom Polizeichef
Gefälschte Videos und Stimmen, Schockanrufe: Die kriminelle Fantasie von Verbrechern scheint schier unerschöpflich. Auf Einladung der Senioren nannte Gautings Inspektionsleiter Andreas Ruch viele dramatische Beispiele und sprach Warnungen aus.
Gauting — Mit dem Thema „Betrugsprävention" war der Gautinger Seniorenbeirat am Puls der Zeit: Beim Vortrag von Gautings Polizeichef Andreas Ruch zu Trickbetrug, war die Bar des Gautinger Bosco deshalb mit 90 Interessierten der Generation 60 plus gut gefüllt. Der erfahrene Inspektionsleiter gab wertvolle Tipps. Er sagte unter anderem: „Wenn Ihnen etwas komisch vorkommt, dann legen Sie auf und wählen Sie den Notruf 110 oder die Nummer der Polizeiinspektion Gauting 089/ 89 313 30."
Nicht nur Schockanrufe, sondern auch Internetkriminalität sind ein Thema. Ob gefälschte Videos zu Bitcoins oder angebliche Bankberater: Ruch warnte davor, am Telefon PIN-Nummern oder Kennwörter zu nennen. Denn auch die angezeigte Telefonnummer der Hausbank auf dem Display könnte gefälscht sein. Und wer mit „Pay Pal Friends" überweise, dessen Geld sei weg.
„Lassen Sie sich von Kindern oder Enkeln an Ihren Laptops Firewall und Virenscanner installieren - und wählen Sie unterschiedliche, schwer zu knackende, lange Passwörter mit Sonderzeichen", riet Ruch. Schockanrufe von Leuten, die Telefonbücher gezielt nach alten deutschen Vornamen durchforsten und ihre künftigen Opfer auskundschaften würden, seien ebenfalls ein großes Problem. So habe zum Beispiel eine angebliche weinende Enkelin mit durch künstliche Intelligenz (KI) generierter Originalstimme ihre Großmutter in Krailling angerufen, weil sie angeblich eine Frau totgefahren habe und nur gegen Kaution auf freien Fuß komme. „Die Seniorin war überzeugt, dass es die Stimme ihrer Enkelin war."
"Ein pensionierter Lehrer aus Pentenried habe wiederum Schmuck und Goldmünzen zusammengepackt und die Wertsachen einer Botin übergeben, um seine Tochter aus angeblichen Schwierigkeiten zu befreien. Erst als seine Ehefrau später nach Hause kam, sei der Senior auf die Idee gekommen, seine Tochter anzurufen, die wohlbehalten bei der Arbeit war. „Rufen Sie erst Ihren Angehörigen an, der sich angeblich in einer Notlage befindet", sagte Ruch.
Ganz neu sei die Betrugsmasche mit angeblichen Klinikärzten, berichtete Ruch weiter. Ein Gilchinger sei so ins Klinikum Großhadern gelockt worden. Angeblich könne seine Angehörige nur mit einer teuren Spritze aus der Schweiz gerettet werden. „Der Betrug flog nur auf, weil er in der Klinik umherirrte und ihn eine Krankenschwestervor der Übergabe der Tasche mit Gold und Silber bewahrt hat."
Unterwegs, etwa in der S-Bahn, sollten sichtbar gut situierte Seniorinnen keine hohen Geldbeträge dabei haben — und ihre Handtasche eng am Körper halten. Und falls der Geldbeutel mit allen Ausweisen gestohlen werde: „Gehen Sie zur Polizei. Und sperren Sie über den Notruf 116 116 sämtliche Bankkarten!" Ganz wichtig sei zudem eine gute Nachbarschaft. Bei Fahrzeugen mit Insassen, die offensichtlich die Gegend beobachten, sollten Kennzeichen notiert und die Polizei informiert werden. Ruch erklärte: „Kontrollen mögen die gar nicht."
Schließlich sagte Ruch: „Falls ein Fremder schon in Ihrer Wohnung ist, holen Sie Ihren jüngeren Nachbarn dazu, der noch besser im Saft ist." Wer verreise, solle ebenfalls seine Nachbarn informieren. „Von außen sollte das als Einbruchsziel beliebte Eigenheim während Abwesenheit keinesfalls einen unbewohnten Eindruck machen — etwa mit heruntergelassenen Rollos."
Textquelle: Christine Cless-Wesle -Starnberger Merkur vom 16.03.2026
Fotoserien
Vortrag zur Betrugsprävention (DI, 17. März 2026)
Sprecher:
Erster Polizeihauptkommissar
Andreas Ruch
Leiter der Polizeiinspektion Gauting








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