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Diskriminiert der MVV Senioren?

Benachteiligt der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) ältere Mitbürger bei der Preisgestaltung? Das behauptet der Gautinger Seniorenbeirat. Denn: Die neue Streifenkarte ist digital deutlich billiger. 

 

VON CHRISTINE CLESS-WESLE 

 

Stockdorf — Vor einigen Tagen fand erstmals eine Seniorenbeiratssitzung in Stockdorf, genauer im „Bambus" statt. Ganz oben auf der Agenda des Gremiums steht aktuell eine Beschwerde beim Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV). Denn: Die neuen Tarife ab 1 Januar empfinden viele ältere Bürger als Ungerechtigkeit. „Es hat Geschrei gegeben", sagte Beiratsvorsitzender Sevin Ulukut im Beisein von Bürgermeister Maximilian Platzer. „Hier werden die digital nicht sehr bewanderten Senioren diskriminiert", sagte er. Eben dieses Thema bringt er derzeit auch bei den Bürgerversammlungen an.

 

Beschwerde ist bereits weitergeleitet 

 

Tatsache ist, dass viele Senioren aus Gauting und Stockdorf vor allem Streifenkarten für ihre Fahrten benutzen. Diese werden im neuen Jahr deutlich teurer. Dann kosten sie am Automaten 21 Euro statt wie bisher 18,70 Euro. Die günstigere Version kostet 19,50 Euro. Sie ist aber nur digital, etwa in der App, erhältlich. „Viele Seniorinnen und Senioren haben aber gar kein Smartphone", sagt Ulukut. Und die, die eines haben, sind selten bereit, ihre Kontodaten zu hinterlegen. „Das machen sie ungern." Ulukut's Unverständnis ist umso größer, als Senioren in Städten wie London oder Prag gratis fahren. 

 

Aus diesem Grund hat der Gautinger Seniorenbeirat eine Beschwerde verfasst. Diese haben Bürgermeister Platzer und Landrat Stefan Frey bereits an den MVV weitergeleitet, eine Antwort steht noch aus. Auch der Münchner Seniorenbeirat hat schon seinen Unwillen artikuliert. „Wir sehen das negativ", sagte Reinhard Bauer bald nach der Verkündung der neuen Tarife. Die Gautinger Sozialamtsleiterin Cornelia Hollstein gab den Tipp, dass sich die Seniorenbeiräte zusammenschließen und über den Landesseniorenbeirat Druck machen sollen, um eine Lösung zu erzielen. „Wir wollen nicht, dass eine Zwei-Klassen-Gesellschaft entsteht", so Ulukut. 

 

Deutlich wurde in der Sitzung: Der Seniorenbeirat ist und bleibt ein umtriebiges Gremium. Präsenz zeigt der Vorstand nicht nur bei Bürgerversammlungen und Gemeinderatssitzungen, sondern auch beim Kreistreffen der Seniorenbeiräte, bei der Nachbarschaftshilfe „Gauting hilft" und beim Workshop „Klimaschutzkonzept". Mit Nachdruck wies Ulukut auf das monatliche Seniorencafé und das Seniorenkino hin. Bei der Auswahl der Filme habe man ein gewisses Mitspracherecht. Die neuen Spielevormittage im Bosco würden gut angenommen. 

 

Um die Aufmerksamkeit auf das Thema Barrierefreiheit für alle zu lenken, plant der Seniorenbeirat vor örtlichen Geschäften die Mitmach-Aktion „Lego-Rampen". Das erzählte Gertraud Gschwendtner. Dabei handelt es sich um bunte, handgefertigte Rollstuhlrampen aus gebrauchten Legosteinen. Bei Edelstahl-Rampen wie der vor dem gemeindlichen Treffpunkt „Bambus" sei man schnell mal bei 10.000 Euro, ergänzte eine ältere Stockdorferin. 

 

Ebenfalls auf der Agenda hat der Seniorenbeirat die Aktion „Toilette mit Herz". Dabei geht es darum, die öffentliche Toilettensituation im Gemeindegebiet zu verbessern. Lokale Geschäfte, Gastronomien und öffentliche Einrichtungen sollen dazu motiviert werden, ihre Kundentoiletten für die Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, insbesondere für ältere Menschen, Gehbehinderte oder Familien. In den Bürgerversammlungen brachte der Vorsitzende das Ziel des Seniorenbeirats auf den Punkt: „Wir wollen Bedingungen schaffen, dass Gauting lebenswert bleibt", sagte er. 

 

Schon jetzt sei knapp ein Drittel der Gautinger Bevölkerung über 65 Jahre alt, nämlich 7.000 von 22.000 Einwohnern. Die Zahl der Senioren werde weiter wachsen. 

 

Quellenangabe: Starnberger Merkur vom 16.10.2026, Gauting und Würmtal Seite 6

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Veröffentlichung

Fr, 16. Oktober 2026

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